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Dienstag, 15. Mai 2012
aus dem buch p.s. ich liebe dich
holly drückte den blauen baumwollpulli fest ans gesicht. als ihr der vertraute geruch in die nase stieg, war es wie ein schlag in den magen. ein überwältigender schmerz packte ihr herz, ihr nacken kribbelte, und plötzlich hatte sie einen kloß im hals, der sie fast zu ersticken drohte. panik machte sich breit. abgesehen vom leisen summen ihres kühlschranks und vom knacken der heizungsrohre war es still im haus. sie war allein. ihr kam die galle hoch, und sie rannte ins badezimmer, wo sie vor der toilette in die knie ging. gerry war fort und er würde nie wieder kommen. das war die realität. nie mehr würde sie die finger durch seine weichen haare gleiten lassen, nie mehr mit ihm über einen witz lachen, den nur sie beide verstanden, nie mehr würde sie sich bei ihm verkriechen lassen, wenn sie von der arbeit nach hause kam und dringend jemanden brauchte, der sie in den arm nahm. nie mehr würde sie mit ihm in einem bett schlafen, nie mehr von seinen morgendlichen niesanfällen geweckt werden, nie mehr mit ihm herumalbern, bis ihr der bauch weh tat vor lachen, nie mehr mit ihm darüber streiten, wer aufstehen und das schlafzimmerlicht ausmachen musste. nichts war geblieben außer einem bündel erinnerungen und seinem bild im kopf, dass jeden tag blasser wurde. sie hatten einen ganz einfachen plan gehabt: sie wollten für den rest ihres lebens zusammenbleiben. ein plan, den eigentlich jeder für durchführbar gehalten hatte, denn alle wussten, dass holly und gerry beste freunde, geliebte und seelenverwandte waren, dazu bestimmt ein paar zu sein. doch dann beschloss das schicksal, diesen plan zu durchkreuzen. viel zu schnell war das ende gekommen. nachdem gerry ein paar tage über migräne geklagt hatte, war er widerstrebend hollys rat gefolgt und zum artzt gegangen, am mittwoch in der mittagspause. sie waren davon ausgegangen, dass er eine brille brauchte. das mit der brille hatte gerry überhaupt nicht gefallen. aber er hätte sich darüber keine sorgen machen müssen, seine augen waren nämlich vollkommen in ordnung. doch in seinem gehirn wuchs ein tumor.
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